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Berdichevsky,I/ Wettkämpfe Schachweltmeisterschaft
Berdichevsky,I/ Wettkämpfe Schachweltmeisterschaft

Band 1: 1886-1937
(Russian Chess House, Moskau 2002)

gebunden, 312 Seiten

in deutscher Sprache


KLAPPENTEXT:

In dieser Anthologie sind sämtliche Partien der Weltmeisterschaftswettkämpfe im Schach von 1896 bis 1997 in drei Bänden zusammengestellt und kommentiert.
Fast immer fanden diese Wettkämpfe zwischen wahren Giganten des Schachs statt. Seit 1947 ist der Internationale Weltschachverband FIDE für diese Ereignisse einschließlich ihrer Qualifikationswettbewerbe verantwortlich, was im Laufe eines halben Jahrhunderts wesentlich sowohl zum Ansehen des Weltmeistertitels als auch der FIDE beitrug.
Unter den Partien dieses Buches findet man zahlreiche Meisterwerke - ihr Studium ist für alle Liebhaber der Schachkunst ein Genuß. Und daneben gibt dieses Werk sicherlich eine der anschaulichsten Darstellungen über Schachkunst und Schachkenntnisse der letzten 100 Jahre. Dieser Reichtum des Schachspiels veraltet nie und sollte für immer bewahrt werden.
In der heutigen Welt, die schnellen Veränderungen unterworfen ist, sind Überlegungen nötig, wie die alte Tradition zur Ermittlung des Schachweltmeisters fortgesetzt und entwickelt werden muß. Ich denke, man sollte das alte System grundsätzlich neu überdenken und modernisieren. Zwar hatte das frühere System auch Vorteile, aber die Nachteile überwiegen: Die kommerziellen Möglichkeiten sind gering und der finanzielle Gewinn für die Spieler ist nicht leicht aufzubringen. Die Schachwelt muß deshalb neue Wege beschreiten.
Aber gerade wegen dieser Veränderungen ist die vorliegende Anthologie ein einzigartiges Dokument der Leistungen vergangener Zeiten, sie ist ein Ausdruck unserer hohen Wertschätzung und Begeisterung für große Schachspieler, welche die Schachkrone in der Geschichte der Weltmeisterschaften errangen.

Kirsan Iljumzhinow im Vorwort


Steinitz-Zukertort 12,5-7,5
U.S.A. 11.1-29.3.1886
Der erste Wettkampf um die Weltmeisterschaft im Schach wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika gespielt. Zu dieser Zeit gab es noch keine Organisation, die dieses Ereignis nach einem festgelegtem Reglement durchführte - trotzdem stand die Rechtmäßigkeit des ersten Weltmeistertitels für niemanden in Frage.

Steinitz-Tschigorin 10,5-6,5
Havana, 20.1.-24.2.1889
Der Weltmeister wählte seinen Herausforderer selbst aus, was nicht als Problem angesehen wurde, da seine Meinung hoch geachtet war. Die Zahl der entschiedenen Partien in diesem Wettkampf ist wunderbar! Steinitz hatte es zu Beginn wieder schwer, danach gelang es ihm jedoch, sich auch auf diesen Gegner einzustellen...

Steinitz-Gunsberg 10,5-8,5
New York 9.12.1890-22.1.1891
Gunsberg gewann kurz vor dem Wettkampf ein großes Turnier in New York und hatte einen unentschiedenen Wettkampf gegen Tschigorin auf seinem Konto. Er erwies sich als ein starker Gegner - Gunsberg führte nach den ersten fünf Partien und leistete Steinitz bis zuletzt harten Widerstand.

Steinitz-Tschigorin 12,5-10,5
Havana 1.1.-28.2.1892
Steinitz stand vor einem schwierigen Problem: wer sollte sein neuer Gegner werden? Tarrasch wollte antreten, aber seine Herausforderung wurde in einer so scharfen Form vorgebracht, daß der 56-jährige Steinitz nochmals Tschigorin den Vorzug gab. Der Weltmeister war sehr nahe daran, seinen Titel zu verlieren, und es wurde deutlich, daß der nächste Wettkampf wahrscheinlich einen neuen Weltmeister hervorbringen würde.

Lasker-Steinitz 12-7
U.S.A.-Canada 15.3.-26.5.1894
Die Schlacht verlief nur in den ersten sechs Partien ausgeglichen, welche in New York gespielt wurden (3:3). In Philadelphia gewann Lasker fünf Partien nacheinander und Steinitz konnte zum Schluß in Montreal nichts mehr retten. Die 27-jährige Herrschaft von Lasker begann...

Lasker-Steinitz 12,5-4,5
Moskau 7.11.1896-14.1.1897
Sieben Siege für Lasker und vier Unentschieden in den ersten 11 Partien machten offensichtlich, daß Steinitz viel von seiner einstigen Stärke verloren hatte. Es folgte eine 10-jährige Unterbrechung der Weltmeisterschaftskämpfe. Nur Tarrasch wurde als würdiger Gegner für Lasker angesehen, aber aus verschiedenen Gründen wurde dieses Duell erst viel später ausgetragen.

Lasker-Marshall 11,5-3,5
U.S.A. 26.1.-6.4.1907
Der erste Gegner Laskers in einem Weltmeisterschaftskampf nach einer langen Unterbrechung war der Amerikaner Frank Marshall, der Sieger des großen Turniers zu Cambridge Springs. Seine Landsleute wollten ihn als neuen Weltmeister sehen und sammelten genug Geld, um den Wettkampf zu ermöglichen. Aber Lasker vernichtete seinen Gegner.

Lasker-Tarrasch 10,5-5,5
Deutschland 17.8.-30.9.1908
Als Tarrasch die Möglichkeit erhielt, um den Welttitel zu kämpfen, war seine größte Zeit bereits vergangen. Er spielte auch nach diesem Wettkampf noch viel, konnte aber keine großen Erfolge mehr erringen. Es ist schwer zu beurteilen, wer mehr Pech hatte - er oder z. B. Nimzowitsch und Rubinstein, die beide überhaupt keine Chance in einem Wettkampf bekamen.

Lasker-Janowski 8-2
Paris 19.10.-9.11.1909
Janowski war ein glänzender Spieler - seine schönen Partien und zahlreichen Opfer waren beeindruckend. Sein größter Vorteil war jedoch, daß ein mächtiger Mäzen ihn unterstützte. Nur diese Tatsache allein kann erklären, warum er zweimal die Chance bekam, um die Schachkrone zu kämpfen. Für Lasker war er, wie bald klar wurde, kaum ein ernster Gegner.

Lasker-Schlechter 5-5
Wien-Berlin 7.1.-10.2.1910
Dieser kurze Wettkampf ruft noch heute viele Diskussionen hervor: Die entscheidende Frage ist, was geschehen sollte, falls Schlechter die letzte Partie des Wettkampfes remisiert hätte. Eine Version des Wettkampfreglements lautet, daß er nicht nur einen, sondern zwei Mehrpunkte haben sollte, um den Titel zu gewinnen. Somit käme ein Unentschieden in dieser Partie für ihn einem Verlust gleich.

Lasker-Janowski 9,5-1,5
Berlin-Paris 8.11.-9.12.1910
Es scheint, daß der erste Wettkampf zwischen diesen Gegnern schon alle denkbaren Fragen beantwortet hatte. Lasker kämpfte so, als wenn er sich selbst beweisen wollte, daß eine noch größere Vernichtung des Herausforderers möglich war. Inzwischen war Lasker wegen seiner Wahl des Gegners stark kritisiert worden: er solle sich einem Spieler stellen, der ein würdigerer Gegner sei.

Capablanca-Lasker 9-5
Havana 15.3.-28.4.1921
Der erste Weltkrieg unterbrach für lange Jahre das Schachleben. Aber der geniale Kubaner Capablanca, der viele starke Turniere gewonnen hatte, wurde durch den Krieg nicht beeinträchtigt: er wohnte sorglos in den Vereinigten Staaten. Lasker, der schon ziemlich alt war und finanzielle Probleme hatte, nahm die Einladung für den Wettkampf in Havanna an - was ihm später leid tun sollte. Aber Capablanca war offen gesagt zu dieser Zeit einfach stärker...

Aljechin-Capablanca 18,5-15,5
Buenos Aires 16.9.-29.11.1927
Jeder war sicher, daß Capablanca Aljechin schlagen würde, nur der Russe selbst und seine meist treuen Freunde waren anderer Meinung. Vor diesem Wettkampf gelang es Aljechin nie, eine Partie gegen den Kubaner zu gewinnen. Der auf sechs Gewinnpartien angelegte Wettkampf war außerordentlich lang und hart umkämpft, am Ende war derjenige Spieler erfolgreich, der gleichermaßen genial und arbeitsfähig war.

Aljechin-Bogoljubow 15,5-9,5
Deutschland-Niederlande 6.9.-12.11.1929
Zwei russische Koryphäen - der eine mit einem deutschen, der andere mit einem französischen Paß - kreuzen durch Deutschland und die Niederlande im Kampf um den Weltmeistertitel im Schach...
Viele schöne Partien wurden in diesem Wettkampf gespielt. Aljechin war am Ende stärker als sein Gegner, aber nur in dem Maße, daß er seine ganze Kraft aufbringen mußte, um erfolgreich zu sein.

Aljechin-Bogoljubow 15,5-10,5
Deutschland 11.4.-14.6.1934
Dem Ergebnis nach verlief auch dieser Wettkampf nicht besonders interessant, allein die Partien sind für die Schachgeschichte kostbar. Aljechin war in dieser Zeit selbst seinen größten Konkurrenten einfach hoch überlegen.

Euwe-Aljechin 15,5-14,5
Niederlande 3.10.-15.12.1935
Für Euwe kam der Erfolg in diesem Wettkampf ganz unerwartet - er hatte lediglich gehofft, Aljechin möglichst starken Widerstand leisten zu können. Aber seine Freunde sagten ihm schon vor dem Duell, daß Aljechin eine Formkrise hatte und zu nervös war. Der Russe selbst kam Euwe zusätzlich zur Hilfe: Am Anfang unterschätzte er seinen Gegner und später gelang es ihm nicht mehr seine beste Leistung abzurufen.

Aljechin-Euwe 15,5-9,5
Niederlande 5.10.-7.12.1937
Die eindrucksvolle Revanche Aljechins in diesem Wettkampf wurde scherzhaft auf folgende Weise kommentiert: "Der Russe lieh ihm seinen Titel für 2 Jahre". Er erkämpfte sich die Schachkrone zurück und nahm sie mit ins Grab. Der 2. Weltkrieg trug seinen Teil hierzu bei; was danach geschah, gehört zu einem neuen Abschnitt in der Geschichte des Schachs...


REZENSION:

Sämtliche Partien der Weltmeisterschaftskämpfe von 1886 bis 1997 sind in den drei Bänden dieser neuen Anthologie gesammelt, ein aufwändiges und für den Leser interessantes Unterfangen, allerdings nicht ganz neu. Denn die "offiziellen" WM-Kämpfe von 1896-1985 sind schon einmal, vom Batsford-Verlag, in zwei Bänden im Jahre 1986 herausgegeben worden, damals von Wade, Whiteley und Keene (Band 2) sowie von Pablo Moran (Band 1), der genau den Zeitraum von 1886-1937 und damit die nachfolgenden Wettkämpfe behandelte wie der hier vorliegende Band 1 der neuen WM-Anthologie:
Steinitz - Zukertort, 1886
Steinitz - Chigorin, 1889
Steinitz - Gunsberg, 1890/91
Steinitz - Chigorin, 1892
Steinitz - Lasker, 1894
Lasker - Steinitz, 1896/97
Lasker - Marshall, 1907
Lasker - Tarrasch, 1908
Lasker - Janowski, 1909
Lasker - Schlechter, 1910
Lasker - Janowski, 1910
Lasker - Capablanca, 1921
Capablanca - Aljechin, 1927
Aljechin - Bogoljubow, 1929
Aljechin - Bogoljubow, 1934
Aljechin - Euwe, 1935
Euwe - Aljechin, 1937

Während Band 3 also eine echt neue Zusammenstellung darstellt, drängt sich für den Band 1 schon ein Vergleich zu Morans Sammlung auf. Beide Sammlungen bieten zu jedem Wettkampf jeweils eine kurze Einleitung. Diese Einleitungen sind bei Moran deutlich ausführlicher als die nur knappen und in vier Sprachen (Englisch, Deutsch, Russisch, Spanisch) wiedergegebenen Einleitungen der Moskauer Ausgabe. Anschließend folgen jeweils der Partienteil und am Buchende ein kurzer Eröffnungsindex. Auf Stellungnahmen der beteiligten Schachspieler, sonstige Erzählungen oder Anekdoten und vor allem Fotos von den Wettkämpfen verzichten (anders als bei "Umkämpfte Schachkrone", Sportverlag 1992, dort allerdings nur mit ausgewählten Partien) leider praktisch beide Herausgeber. Immerhin bringt die Moskauer Sammlung jeweils die Bilder der beiden Kontrahenten in Kleinformat. Im Vordergrund stehen also ganz und gar die vollständigen Partien und ihre Kommentierung.
Und dabei fällt die informatorähnliche Kommentierung bei der russischen Ausgabe insgesamt deutlich ausführlicher aus als bei Moran, der zudem gar keine Quellenangaben nennt. Berdichevsky und seine Mitarbeiter geben immerhin den Kommentator der Hauptquelle am Ende der Partie an und markieren eigene Stellungnahmen, wenngleich auch hier eine Quellenangabe fehlt - sicherlich ein echter Mangel bei einem schachhistorischen Werk. Manchmal kann man die Quelle z.B. dank diverser Olms-Reprints freilich selbst schnell ermitteln, etwa den Bericht von Tarrasch zum Wettkampf Lasker - Marshall 1907 (Olms-Band 97) oder den Bericht von Euwe und Aljechin zu ihrem Wettkampf 1935 (Olms Band 39), manchmal ist das wegen der Vielzahl der genannten Kommentatoren innerhalb eines Wettkampfes allerdings kaum mehr möglich. Ein Vergleich mit ermittelten Originalquellen ergibt jedenfalls, dass die Autoren der Moskauer Anthologie in aller Regel die Anmerkungen des angegebenen Hauptkommentators überprüft und gegebenenfalls durch andere Quellen und durch eigene Vorschläge erweitert und neu bewertet haben. Bisweilen freilich bringen sie sich und die Quellen nur sehr sparsam ein (z.B. Partie 130), bei der großen Partienanzahl wohl verständlich. Außerdem dienten oft vorwiegend die klassischen Quellen als Grundlage, neuere Artikel wie etwa die beiden bemerkenswerten und immerhin etwa jeweils fünfzig Seiten langen Artikel Hübners aus den Jahren 1998 und 1999 (publiziert in der Zeitschrift Schach) zu den Wettkämpfen Aljechin - Capablanca 1927 und Lasker - Schlechter 1910 wurden dagegen nicht ausgewertet. Entsprechend kommen denn auch die Feinheiten des Springerendspiels in der 4. Partie Aljechin - Capablanca überhaupt nicht zur Sprache und auch die Ergebnisse der dort auf 17 Seiten (!!) kommentierten 11. Partie hätten so manche Bewertung in Frage gestellt, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ausführlich kommentiert also, aber nicht perfekt recherchiert. Das Druckbild der Partien und der Diagramme ist übrigens einwandfrei, dazu erfreut auch der stabile Festeinband.
Was die Idee einer ausführlichen Zusammenstellung der WM-Partien angeht, so ist diese natürlich lobenswert und für den Leser erfreulich, bekommt er doch einerseits viele gute und spannende Partien kommentiert präsentiert und kann andererseits auch Entwicklungen des Stils und Stileigenheiten der Kontrahenten erkennen, denkt man nur daran, welche passiven Stellungen mit fast allen Figuren auf der Grundreihe etwa Steinitz bisweilen in den Kämpfen gegen Gunsberg oder Tschigorin für den Mehrbesitz eines Bauern in Kauf nahm (vgl. etwa die Partie 12 gegen Gunsberg), ganz anders als der dynamische Stil Kasparows etwa in seiner berühmten 16. Partie 1985 gegen Karpow.
Insgesamt ist der erste Band dieser Trilogie also meines Erachtens eine sauber aufgemachte Zusammenstellung der oben genannten 17 WM-Kämpfe von 1886-1937 und dank der - vor allem gemessen an der Partienzahl -doch ausführlichen Partiekommentierung zugleich die bessere und zudem billigere Alternative zu Morans World Chess Championship. Einige schachgeschichtliche Zugaben, Fotos und genaue Quellenverweise sowie die Einarbeitung der Hübner-Artikel würden freilich einer späteren Neuauflage gut anstehen.

Helmut Riedl, Europa Rochade 7/2003



Schachbücher
SMAT0102
Aktualisiert: 14.07.2004
Berdichevsky,I/ Wettkämpfe Schachweltmeisterschaft


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